Wild- und Jagdarten

Auf den Jagdmessen werden wir gern gefragt:

„Was hat Weißrussland zu bieten, was andere Jagdreiseländer nicht haben?“

Versuchen wir, die Frage zu beantworten:

  • Weißrusslands Landschaften sind sehr dünn besiedelt. Durch eine rasante Landflucht erobert sich die Natur ertragsschwaches Kulturland nach und nach zurück. In den neuen EU-Staaten ist es genau umgekehrt. Jeder Quadratmeter wird der industriellen Landwirtschaft zugeführt. So manchem Ungarn- oder Rumänienliebhaber blutet das Herz.
  • Ausländische Jagdgäste drücken sich in Belarus noch nicht die Klinke in die Hand. Die weißrussische Gastfreundschaft ist warmherzig, die Menschen auf dem Lande anständig und bescheiden. Sie sind „zum Verzweifeln“ unpolitisch. Sie lieben die Ordnung, besonders die deutsche.
  • Die Jagd in Weißrussland ist kein Spaziergang. Man jagt in riesigen offenen Revieren und nicht immer allein. Der Wolf, der Luchs, der harte Winter und auch der eine oder andere Wilderer jagen mit. Gatterjäger und Schießkinofetischisten kommen in den weiten Landschaften Weißrusslands nicht auf ihre Kosten. Es locken aber starke Trophäen. Wird das Wild in diesen Weiten erst einmal heimlich, dann wird es auch alt.
  • Eine Fahrt nach Belarus hat etwas von einer Reise in die Vergangenheit. Wer ein wenig nostalgisch veranlagt ist, wird auf sonderbare Weise emotional berührt werden. Probieren Sie es aus!

Der Elch

StangenelchEs ist kein Zufall, dass wir diese urige Wildart zuerst nennen. Nicht nur, weil ihre Trophäe einen besonderen Reiz ausmacht, sondern weil das Elchwild fast im ganzen Land autochthones Standwild ist. Der Elch verkörpert mit seinem fast pferdegroßen Körper buchstäblich die intakte osteuropäische Natur. Wo kein Weg und kein Steg mehr kommt, wo die letzten Bewohner aussterbender Dörfer der Landflucht trotzen oder ganz einfach keine andere Wahl haben als in ihren Holzhäusern durchzuhalten, da fährtet sich der Elch auf verlassenen und vernässten Feldern, im Sumpf und dort wo er seine Hauptnahrung findet, auf großen sich zu schließen beginnenden Kahlschlägen. Die Rufjagd wird besonders von den Berufsjägern der alten Generation beherrscht. Im Morgengrauen oder bei Vollmond pirscht man an den großen Freiflächen entlang. Auf Verdacht oder erfolgversprechender, nachdem man den Elch hat rufen hören, setzt der Jagdführer ein Kuhhorn, manchmal auch eine improvisierte Röhre an und lässt einen eher an einen Esel als an einen Hirsch erinnernden näselnden Ruf erklingen: Iiiuh!, Iiiuh! Iiiuh!

Der Elchbulle, der sich nicht wie der Rothirsch ein Rudel Kahlwild nimmt, sondern unstet von einer brunftigen Elchkuh zur anderen zieht, vernimmt diesen Ruf und wirft auf. Durch Schaben und Zerbrechen von Ästen wird seine Wut weiter angeheizt. Er beginnt sich dem dreisten Nebenbuhler zu nähern. Erstaunlich leisen und gemächlichen Schrittes, unter Aufbietung seiner stolzen Schaufeln, zieht er heran. Das ist der Moment, in dem sich der Jagdgast entscheiden muss. Er steht mit seiner Büchse in der Hand irgendwo verloren mitten in der Fläche und sieht auf 30-50m Schussentfernung, vielleicht zum ersten Mal in seinem ganzen Leben einen Elch. „Ja, das ist einer!“ geht es ihm durch den Kopf. Der Berufsjäger raunt ihm mit seinen wenigen Brocken Deutsch zu: „Schißen!, Schißen!“ Es bleibt dem zum Handeln aufgeforderten Gast eigentlich nur die Wahl: Abdrücken oder ziehen lassen, eine Entscheidung die sicher auch vom Reisebudget abhängt. Es kann ein Stangenelch vom 2. Kopf vor ihm stehen, den er sich vielleicht stärker gewünscht hatte. Es kann aber auch ein im Revier gänzlich unbekannter Eindringling vom 7-8 Kopf mit einem Geweihgewicht von 12-14kg dort verhoffen. Kann er sich nicht rechtzeitig entscheiden, wird der Elch angesichts dieser Begegnung auf Schrotschussentfernung bald flüchtig werden. Hat der Schütze den Mut und der Schuss kracht, geht der Elch getroffen und mit einem heftigen Gepolter ab. Gemeinsam mit dem ungeduldig anstürmenden Berufsjäger geht der Erleger mit weichen Knien nach ein paar Pflichtminuten die deutlich sichtbare Wundfährte aus. Da liegt er! Was für ein riesengroßes Wild. Der Berufsjäger ist aus dem Häuschen. Endlich ist er aus dem Schneider. Der Schütze muss sich erst einmal setzen und eine Zigarette des wild drauflos plaudernden Jagdführers rauchen. So ein Erlebnis will verarbeitet werden.


Im November ergibt sich noch eine zweite Chance auf den Elch, wenn dieser die zufrierenden Sümpfe verlässt und zur Nachtzeit auf die waldnahen Rapsfelder zieht. Sollten noch Jahreslizenzen frei sein, kann das Elchwild auch auf den Drückjagden mitbejagt werden. Reservierungen in den späten Herbst hinein lassen die Veranstalter jedoch nicht gerne zu. Sie planen, den Abschuss bis Ende September weitgehend erfüllt zu haben. Will man den Elch wirklich stilecht erlegen, sollte man daher die Rufjagd anstreben. Eine Jagdart, die übrigens in Skandinavien, wo es bekanntlich reichlich Elche gibt, nicht durchführbar ist. Dort ist der Elch erst nach der Brunft freigegeben und wird immer auf der Drückjagd oder vor dem Hund geschossen. Die Rufjagd in Belarus ist also etwas ganz Besonderes!

Die Jagd auf den Rothirsch

Das Rotwild ist in Belarus nicht so flächendeckend zu Hause wie der Elch. Es gibt mehrere sehr große Inselvorkommen, die aus den großen Jagdrevieren der polnischen Fürstenfamilien stammen. Der letzte russische Zar Nikolai II jagte jedes Jahr in Bialowies. Trotz der Wirren der Revolution und der Kriege überlebten Restbestände des Rotwildes. Heute wird es wieder gehegt und fühlt sich in den gemischten Wald- und Feldlandschaften wohl. Die weißrussischen Staatsforsten können etliche renommierte Betriebe anbieten, in denen man erfolgreich auf den starken Brunfthirsch jagen kann. Ossipowitschi und Belinitschi im Gebiet Mogilov östlich von Minsk zum Beispiel oder noch ausgedehnter in den alten polnischen Regionen des Landes im Gebiet Brest. Telechani und Prujani sind gepflegte Rotwildreviere mit idealen Rotwildbiotopen. Nicht immer sind die Hirsche wie bei uns gefordert, vom 12. Kopf, wenn sie zur Erlegung kommen. Das ist auch nicht die Zielvorstellung der Jäger hier vor Ort. Ihnen geht es um das Geweihgewicht. Der Hirsch ist reif, wenn er stark ist. Diese vereinfachte Regel erfordert ebenso ein nachhaltiges Denken.

Der schreiende Platzhirsch wird in den unübersichtlichen, meist brettebenen Revieren leise und frontal gegen den Wind angegangen. Das kann mal schiefgehen, wenn ein Alttier auf der Hut ist. Oft klappt es aber erstaunlich leicht, sich dem Hirsch auf Schussentfernung zu nähern. Millionen von Hirschläusen werden den angehenden Jäger plagen, so manchen nassen Fuß wird er sich holen aber am Ende bleibt das unvergessliche Erlebnis der kilometerweiten Pirsch ohne ein einziges Mal an eine Reviergrenze gestoßen zu sein.

Auch beim Rotwild bleiben nach der Brunft einige Restlizenzen übrig. Es bieten sich im Spätherbst im Rahmen einer Drückjagd weitere Chancen, einen von den Laikas angeschobenen trollenden Hirsch erlegen zu können. Kahlwild wird in der Regel nicht so scharf bejagt wie bei uns. Man will vielerorts den Rotwildbestand noch weiter aufbauen und bremst insbesondere den Abschuss der Alttiere. Eine Absicht, die in unseren Breiten bei „waldfreundlichen“ Forstleuten blankes Entsetzen auslösen würde. Der Wildbestand ist reichlich und die Biotope geben es auch her. Mit viel Anblick ist zu rechnen, wenn die Sicht es zulässt und die Wölfe den Rudeln in harten Wintern nicht zu sehr zusetzen.

Hirschtrophäen sind, nicht zuletzt, weil Vaugus Ihnen die Ministeriumspreise weiterleitet, noch sehr günstig im internationalen Vergleich. Kahlwild ist dagegen aufgrund der weißrussischen Zielsetzungen relativ teuer. Man sollte sich wie beim Elch auch, auf die Trophäenträger konzentrieren. So ist es von den Anbietern gewollt.

Das Schwarzwild

Neben der Pirsch auf den brunftigen Elch ist die Jagd auf den starken Keiler die Nische schlechthin, die das Besondere des Jagdlandes Belarus ausmacht. Warum gibt es dort diese berühmten hauenden Schweine von über 200 kg aufgebrochen? Die Antwort ist ganz einfach. Einmal wird das Schwarzwild Richtung Osten genotypisch immer schwerer. Vor allem aber wird es schlichtweg endlich einmal alt genug. Keiler gelten in den weißrussischen Staatsforsten als wichtige Devisenbringer. Sie sind den zahlenden Gästen vorbehalten und dürfen von den Einheimischen nicht gebührenfrei erlegt werden. Und sie sind heimlich wie die Nacht. Diejenigen, die schon in Belarus Stunden an den Kirrungen verbracht haben, wissen, dass der reife Keiler gar nicht daran denkt, sich vor Mitternacht am Getreidehaufen erlegen zu lassen. Genauso hat er nach 2-3 Jahren Lebenserfahrung längst gelernt, den doch recht lückig abgestellten und sich wiederholenden Drückjagden zu entkommen. Und nicht zuletzt sind es einmal mehr die riesigen Reviere, die ihn vor nachstellenden Waidgesellen schützen. Viele Jäger sind des Hasen tot – und der des deutschen Überläuferkeilers auch!

Den weißrussischen Keiler muss man also überlisten und das kann auch gelingen, wenn man sich dem Jagdführer anvertraut und zwar beinahe die ganze Nacht lang, wenn es das Mondlicht hergibt. Vorbereitet auf eine anstrengende nächtliche Pirsch auf abgeernteten Feldern, läuft man auf frisch gehäckselten blanken Maisfeldern die Waldränder gegen den Wind ab. Es kamen bei solchen Nachtpirschen schon bis zu 100 Sauen in Anblick. Immer wieder tauchen Rotten von 20-30 Stück auf. Und irgendwann wird auch mal ein dicker Brocken dabei sein. Den gilt es anzupirschen und zu erlegen. Man kennt solche Jagdmethoden aus der Jagdliteratur der ehemaligen DDR. Einem passionierten Saujäger kann man nichts Spannenderes bieten.

Da es nicht immer bei der Jagd auf den frisch gehäckselten Maisfeldern bleiben kann, sitzt man in Belarus ähnlich wie bei uns zu anderen Jahreszeiten gerne an Kirrungen oder Wildäckern. Diese werden regelmäßig beschickt. Unweit stehen blockhausartige geschlossene Kanzeln.

Hier kann man viel Anblick haben, und es schiebt sich in später Nacht dann doch irgendwann der Keiler aus dem Waldschatten hervor. Diese Jagdart bietet sich besonders für den älteren Jäger an, der die Strapazen langer Pirschgänge nicht mehr durchhält. Es wurden bei diesen Ansitzen auch schon Elche erlegt und in Einzelfällen sogar Wölfe. Der Nachtjäger wird die Stille genießen. Kein Flugzeug, kein Straßenlärm, keine blinkenden und surrenden Windräder, nichts außer dem Kreischen der Eulen und wenn man großes Glück hat auch mal das Jaulen der Wölfe.

Ordnung muss seinDas Schwarzwild ist die Hauptwildart der Drückjagden in Belarus. Freigegeben ist alles, was Jagdschein und Geldbeutel erlauben, mit Ausnahme führender Bachen. Die sind auch in Belarus tabu. Ansonsten jeder wie er kann und wie es ihm die Sicht- und Sicherheitsbereiche erlauben. Drückjagden in Belarus werden in aller Regel in kleineren Gruppen abgehalten. 8-10 Schützen und ungefähr ebenso viele Treiber und Hundeführer ziehen gemeinsam los, um am Tag 4-5 Treiben abzuhalten. Die Organisation wird nicht so generalstabsmäßig ablaufen wie bei uns, aber Standards wie Warnwesten und Sicherheitsbereiche bei der Schussabgabe sind auch hier selbstverständlich. Erwarten Sie bitte keine zu hohen Tagesstrecken. Eher 5 als 10 Kreaturen bei 8-10 Schützen sind die Regel. Je nach Wunsch können die Gruppen neben dem Schwarzwild Schwerpunkte auf männliches Elch- oder Rotwild festlegen.

Rehwild

Für einen Rehbock muss man ja eigentlich nicht quer durch Europa reisen, denken viele. Und doch haben wir etliche Anfragen von passionierten Rehwildjägern, die immer wieder mal das Reiseland wechseln, der Jagd auf den Bock aber treu bleiben.
Die Trophäenpreise sind noch sehr moderat und wer ein begrenztes Budget für eine Reise nach Belarus hat, kann dieses schöne Jagdland über die Rehwildpirsch kostengünstig kennenlernen.

Nach sehr harten Wintern in 2008-2010 hat sich der Bestand in Weißrussland ganz gut erholt. Der milde Dezember 2012 erlaubte dem Rehwild, Fettreserven zu bilden. Auch die Wölfe hatten kein so leichtes Spiel. Verharschte Schneedecken blieben weitgehend aus. Die Wilddichte ist gleichwohl nicht so üppig wie in unseren Regionen, dafür zeigen die Böcke aber brave Trophäen von zumeist 300-400gr, in einigen Ausnahmefällen auch über 500gr.

Man jagt den Bock bevorzugt Anfang/Mitte Juni, wenn die Gräser und das Getreide noch nicht so hoch stehen. Sehr reizvoll und in Belarus noch nicht sehr verbreitet ist das Blatten Ende Juli bis Anfang August. Das Wetter ist herrlich hochsommerlich in dieser Zeit. Man kann tagsüber schwimmen gehen und sich erholen. Besonders spannend ist in diesen Tagen auch die Jagd auf den eselsglatten Sommerkeiler in den milchreifen Getreidefeldern. Vaugus wird diese Kombination bevorzugt anbieten und entwickeln in den nächsten Jahren. Besonders liegt uns hier die Zielgruppe jüngerer oder nicht ganz so betuchter Jäger am Herzen. Jagdreisen müssen gar nicht so teuer sein und können trotzdem große Freude bereiten.

Im Herbst und Winter werden die weiblichen Rehe mehr zufällig auf den Drückjagden mitbejagt. Den Abschuss erfüllen zumeist die Wölfe. Auch der sich stark verbreitende und geschützte Luchs holt sich seinen Teil.

Raubwild, Biber und Wasservögel

„Darf man in Belarus den Wolf bejagen“? Fast immer kommt in unseren Gesprächen mit den Kunden diese Frage auf. Ja, man darf! Und sogar das ganze Jahr über, was man aber anständigerweise nur im Herbst und Winter tun sollte. Der Anblick auf dem nächtlichen Ansitz ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Die klassische und faszinierende Jagdart ist aber das Lappen. Dies funktioniert in der Regel nur nach einer Neuen. Beinahe das gesamte Forstpersonal, nicht nur die Berufsjäger schwärmt mit knatternden Fahrzeugen aller Art aus, um sich per Mobiltelefon das soeben gefundene Fährtenbild eingekreister Wölfe zuzurufen. Sogleich ziehen hochpassionierte Hilfstruppen, denen man kurz vorher beim Laufen noch hätte die Schuhe besohlen können, mit bleischweren Kabeltrommeln in meterlangen Schritten los, um die Wölfe im tiefen Schnee einzulappen. Stecken Sie erst einmal drin in den Lappen, kann man sie tatsächlich bis zu zwei Tage festhalten. Wer zur Wolfsjagd kommen will, muss also quasi Gewehr bei Fuß sein. Leider gibt es aber einen weit größeren Wehrmutstropfen. Die Erlegung eines Wolfes in Belarus können die deutschen Artenschützer uns Jägern nicht verbieten. So weit reicht ihr moralischer Arm dann doch noch nicht. Die Einfuhr des Balges in die EU ist jedoch so lange verboten, bis Belarus das Washingtoner Artenschutzabkommen mit all seinen Konsequenzen bzgl. der Regulierung der Wölfe vollständig unterschreibt. Dazu ist die Regierung in Minsk derzeit nicht bereit. Man lässt sich nicht gerne von Brüssel aus belehren und reinreden und das finden wir, was die Wolfsjagd betrifft, ganz in Ordnung.


Ansonsten spürt sich an Wildarten hier fast alles, was man auch in unseren Breiten kennt: Der Marderhund, der Fuchs, der Mink, Fischotter, Marder, Dachs und Waschbär.

Zurückgemeldet hat sich auch in Belarus der Luchs. „Krasnaja Kniga!!“ (Rotes Buch!), ruft der Berufsjäger erbost und spuckt aus, als er die Katze, die einem Sprung Rehe auf leisen Sohlen folgt, im Schnee spürt. Der Mann macht sich auf eine überraschend frische Weise Luft. Als ökologisch wohlerzogener Deutscher steht man staunend daneben. Für einen Moment fühlt man sich in seiner Gedankenwelt reglementierter als dieser „unfreie“ Waldläufer.

Seit einigen Jahren hat die Biberpopulation derartig zugenommen, dass man begonnen hat, Abschusslizenzen zu vergeben. Der ausländische Jäger kann für geringes Geld einen Biber erlegen. Er sollte dies dann tun, wenn der Pelz reif ist ab Anfang Oktober. Die Einfuhr des Fells nach Deutschland muss beim Bundesamt für Naturschutz beantragt werden. Einer Genehmigung einzelner Einfuhren aus jagdlichen Motiven steht aber nichts im Wege. An fast jedem der unzähligen das Land durchziehenden Entwässerungskanäle, oft im Rücken eines abendlichen Ansitzes, schafft und planscht irgendwo ein fleißiger Biber herum. Hier in Belarus braucht es keine millionenschweren Naturschutzprogramme. In den sumpfigen Landschaften lebt fast alles an Tier- und Pflanzenwelt, was wir in unserer zersiedelten Landschaft auf traurigen Restflächen zu schützen suchen. Insbesondere die Vogelwelt ist atemberaubend. Die alten Jäger in Deutschland kennen noch die Jagd auf den Frühlingserpel. Hier wird diese noch praktiziert. Besser versucht man es im Herbst auf die ziehenden Enten und Gänse, was sehr reizvoll sein kann.

Auerhahn, Birkhahn und Schnepfe im April – alle drei auf einen Streich

In der zweiten Aprilhälfte finden sich ein paar Tage, an denen man sich gleich drei jagdliche Träume auf einer einzigen Jagdfahrt erfüllen kann: Das Anspringen des Auerhahns, den gezirkelten Kugelschuss auf den im freien Gelände balzenden Birkhahn und den abendlichen Schnepfenstrich am Rande der großen Sümpfe. Beginnen sollte man mit dem Auerhahn. Das ist auch in Belarus kein Allerweltsvogel , sondern ein sorgsam bewirtschaftetes Nationaltier. Für ihn gibt es nach einem jährlichen Zählverfahren nur einige wenige Lizenzen. Besonders im Norden des Landes, im Gebiet Vitebsk, aber auch an der Berezina zwischen Minsk und Mogilov gibt es noch stabile Vorkommen des Urvogels. In unchristlicher Frühe geht’s los mit dem Geländewagen auf miserablen Erdwegen irgendwo ganz tief in den letzten Winkel des Revieres hinein. Dann nochmal zu Fuß durch den Sumpf an zurückpeitschenden Ästen vorbei, durchs Unterholz bis der Jäger plötzlich wie vom Donner gerührt innehält: „Tam Gluchar!“ Sluchaetche? (Da, der Auerhahn, hören Sie ihn?) Natürlich hört der Gast gar nichts außer seinen tobenden Pulsschlag. Wie vorher verabredet und auf groteske Weise im Jagdhaus trocken geübt, greifen sich ab jetzt zwei erwachsene Männer wie Hänsel und Gretel bei den Händen. Sie stoßen auf Kommando in dem Moment, in welchem der Hahn für wenige Sekunden schleift und damit blind und taub zugleich ist, 3-4 Schritte vorwärts. So nähern sich die beiden Stück für Stück dem balzenden Hahn. Er muss da oben irgendwo in der krüppeligen Kiefer sitzen und doch ist der verliebte Urgockel noch immer hinter Ästen verborgen. Also weiter mit dem nächsten Stakatoschritt. Mücken sind jetzt höchst unerwünscht, denn sobald der Hahn verstummt, haben die beiden zu erstarren wie Salzsäulen. Dann endlich sieht man ihn sitzen. Er singt seine Strophenabfolge ab. Er knappt, er trillert, Hauptschlag, er schleift! Jetzt hoch das Gewehr. Wohl dem, der einen Drilling führt, denn er ist noch immer fast 45m entfernt. Also entscheidet sich der sichere Kugelschütze für die Schonzeitpatrone. Er lässt die Hornet fliegen. Wie ein Stein geht der getroffene Hahn zu Boden. Der Jäger stürzt auf ihn zu, um ihn festzuhalten, eine unnötige Sorge, die wahrscheinlich aus der Erfahrung zu gewagter Schrotschüsse stammt. Der Auerhahn liegt in seiner ganzen Pracht im Heidekraut. Ein Vogel so groß und schwer wie eine Gans. Man hebt ihn an und streicht ihm über das Farbenspiel der Federn. Ein wunderbares edles Tier. Der Platz über dem heimatlichen Kamin ist schon reserviert.

Das Birkwild ist in Belarus weit verbreitet. Man kann es kilometerweit balzen hören, oft auch im Herbst. Von gut getarnten Erdsitzen aus wird er bejagt. Es ist gar nicht so einfach, an ihn heranzukommen. Oft fällt er weit entfernt vom Erdbunker ein. Dann hat man zumindest die Gelegenheit, seine Balz zu beobachten und für den nächsten Morgen zimmern die Jäger tagsüber eine neue gut getarnte Bude zusammen. Geduld und eine sehr exakt schießende kleine Kugel sollte man mitbringen für den Birkhahn. Selten wird er auf Schrotschussentfernung herankommen. Hält man ihn dann in den Händen, so sieht man, dass er sehr viel kleiner ist als der Auerhahn. Sein glänzendes blauschwarzes Gefieder und seine roten „Rosen“ jedoch sind von einer Schönheit, die kaum ein anderer Vogel überbieten kann.
Da man die beiden Raufußhühner in erster Linie morgens bejagt, wird einem abends schon mal die Zeit lang. Dann sollte man es nicht versäumen, den Schnepfenstrich zu erleben. Schon am Abend zuvor hat man am Jagdhaus das Knorren des gaukelnden Vogels vernommen. Und nun geht es raus an strategisch günstige Stände, meist unweit des sumpfigen Wassers zwischen zwei Waldstücken.
Die erste halbe Stunde passiert nichts. Man genießt die Stille. Vielleicht hört man irgendwo in der Ferne einen Güterzug über die russischen Schienen rollen: „padamm padamm, padamm padamm“ Ansonsten glucksen und trillern nur irgendwelche Dommeln, Taucher und Teichhühner. Nicht weit entfernt hört man das Gemecker der Bekassine. Endlich versteht man, warum die Alten von der Himmelsziege sprachen. Ein Vogelbuch müsste man jetzt dabei haben.

Und da erscheint am Abendhimmel die erste Schnepfe. Das lange Gesicht verrät sie am Horizont. Hoch den plumpen Drilling, die Flinte wollte man ja nicht extra mitnehmen. Rumms! „Oh, da habe ich wohl nicht auf Zack geschossen, als sie auf Zick geflogen kam?“ Macht nichts, es wird nicht die einzige Chance bleiben. 6-8, manchmal mehr Schnepfen, werden ihre Kreise ziehen und man geht, wenn man sich nicht gar so ungeschickt anstellt, sicher mit 2-3 erlegten Schnepfen nach Hause. Was ist das für ein wunderbarer Frühlingsabend. Wieder denkt man: „Mann, das dürfen die hier so einfach? Schnepfen schießen?“ Ja, das dürfen die hier und wir zu Hause nicht.

Eine Besonderheit ist die herbstliche Jagd mit dem Pfeifchen auf den Haselhahn. Es ist eine anspruchsvolle Pirsch für den Spezialisten. Oder es könnte auch eine kurzweilige Beschäftigung für den Junior eines Hirschjägers sein, der seinen Vater in den Osten auf dessen Lebenshirsch begleitet. Man verschwindet an einem helllichten Tag im September stundenlang im Wald, wie einst als Jungjäger als man dem Tauber nachstellte. Auf einen kurzen schrillen Pfiff soll der Hahn neugierig heranfliegen, um höchst misstrauisch zu schauen, wer ihn da nachäfft. Eine zierliche, sehr besondere Trophäe für kleines Geld.

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