Auerhahn, Birkhahn & Schnepfe im April – alle Drei auf einen Streich

In der zweiten Aprilhälfte finden sich ein paar Tage, an denen man sich gleich drei jagdliche Träume auf einer einzigen Jagdfahrt erfüllen kann: Das Anspringen des Auerhahns, den gezirkelten Kugelschuss auf den im freien Gelände balzenden Birkhahn und den abendlichen Schnepfenstrich am Rande der großen Sümpfe. Beginnen sollte man mit dem Auerhahn. Das ist auch in Belarus kein Allerweltsvogel , sondern ein sorgsam bewirtschaftetes Nationaltier. Für ihn gibt es nach einem jährlichen Zählverfahren nur einige wenige Lizenzen. Besonders im Norden des Landes, im Gebiet Vitebsk, aber auch an der Berezina zwischen Minsk und Mogilov gibt es noch stabile Vorkommen des Urvogels. In unchristlicher Frühe geht’s los mit dem Geländewagen auf miserablen Erdwegen irgendwo ganz tief in den letzten Winkel des Revieres hinein.

 

 

Dann nochmal zu Fuß durch den Sumpf an zurückpeitschenden Ästen vorbei, durchs Unterholz bis der Jäger plötzlich wie vom Donner gerührt innehält: „Tam Gluchar!“ Sluchaetche? (Da, der Auerhahn, hören Sie ihn?) Natürlich hört der Gast gar nichts außer seinen tobenden Pulsschlag. Wie verabredet und vorher auf groteske Weise im Jagdhaus trocken geübt, greifen sich ab jetzt zwei erwachsene Männer wie Hänsel und Gretel bei den Händen.

 

 

Sie stoßen auf Kommando in dem Moment, in welchem der Hahn für wenige Sekunden schleift und damit blind und taub zugleich ist, 3-4 Schritte vorwärts. So nähern sich die beiden Stück für Stück dem balzenden Hahn. Er muss da oben irgendwo in der krüppeligen Kiefer sitzen und doch ist der verliebte Gockel noch immer hinter Ästen verborgen. Also weiter mit dem nächsten Stakatoschritt. Mücken sind jetzt höchst unerwünscht, denn sobald der Hahn verstummt, haben die Beiden zu erstarren wie Salzsäulen. Dann endlich sieht man ihn sitzen. Er singt seine Strophenfolge ab. Er knappt, er trillert, Hauptschlag, er schleift! Jetzt hoch das Gewehr. Wohl dem, der einen Drilling führt, denn er ist noch immer 45 Meter entfernt. Also entscheidet sich der sichere Kugelschütze für die Schonzeitpatrone. Er lässt die Hornet fliegen. Wie ein Stein geht der getroffene Hahn zu Boden. Der Jäger stürzt auf ihn zu, um ihn festzuhalten. Eine unnötige Sorge, die wahrscheinlich aus der Erfahrung zu gewagter Schrotschüsse stammt. Der Auerhahn liegt in seiner ganzen Pracht im Heidekraut. Ein Vogel so groß und schwer wie eine Gans. Man hebt ihn an und streicht ihm über das Farbenspiel der Federn. Ein wunderbares edles Tier. Der Platz über dem heimatlichen Kamin ist schon reserviert.

 

Das Birkwild ist in Belarus weit verbreitet. Man kann es kilometerweit balzen hören, oft auch im Herbst. Von gut getarnten Erdsitzen aus wird er bejagt. Es ist gar nicht so einfach, an ihn heranzukommen. Oft fällt er zu weit entfernt vom Erdbunker ein. Dann hat man zumindest die Gelegenheit, seine Balz zu beobachten und für den nächsten  Morgen zimmern die Jäger eine neue, gut getarnte Bude zusammen. Geduld und eine exakt schießende kleine Kugel sollte man mitbringen für den Birkhahn. Selten wird er auf Schrotschussentfernung herankommen. Hält man ihn dann in den Händen, so sieht man, dass er sehr viel kleiner ist als der Auerhahn. Sein glänzendes blauschwarzes Gefieder und seine roten „Rosen“ jedoch sind von einer Schönheit, die kaum ein anderer Vogel überbieten kann.

 

Da man die beiden Raufußhühner morgens bejagt, wird einem abends schon mal die Zeit lang. Dann sollte man es nicht versäumen, den Schnepfenstrich zu erleben. Schon am Abend zuvor hat man das Knorren des gaukelnden Vogels vernommen. Und nun geht es raus an strategisch günstige Stände, meist unweit des sumpfigen Wassers zwischen zwei Waldstücken.

Die erste halbe Stunde passiert nichts. Man genießt die Stille. Vielleicht hört man irgendwo in der Ferne einen Güterzug über die russischen Schienen rollen: „padamm padamm, padamm padamm“ In der langsam im Bodennebel versinkenden Fläche glucksen und trillern nur irgendwelche Dommeln, Taucher und Teichhühner. Es ertönt das Gemecker der Bekassine. Endlich versteht man, warum die Alten von der Himmelsziege sprachen. Ein Vogelbuch müsste man jetzt dabei haben.

 

Und da erscheint am Abendhimmel die erste Schnepfe. Das lange Gesicht verrät sie am Horizont. Hoch den plumpen Drilling, die Flinte wollte man ja nicht extra mitnehmen. Rumms! „Oh, da habe ich wohl nicht auf Zack geschossen, als sie auf Zick geflogen kam?“ Macht nichts, es wird nicht die einzige Chance bleiben. 6-8, manchmal mehr Schnepfen, werden ihre Kreise ziehen und man geht, wenn man sich nicht gar so ungeschickt anstellt, mit zwei oder drei erlegten Schnepfen nach Hause. Was ist das für ein wunderbarer Frühlingsabend. Wieder denkt man: „Das dürfen die hier so einfach? Schnepfen schießen?“ Ja, und wir zu Hause nicht.

 

Eine Besonderheit ist die herbstliche Jagd mit dem Pfeifchen auf den Haselhahn. Es ist eine anspruchsvolle Pirsch für den Spezialisten. Es kann auch eine kurzweilige Beschäftigung für den Junior sein, der seinen Vater in den Osten auf dessen Lebenshirsch begleitet. Man verschwindet an einem Tag im September stundenlang im Wald, wie einst als Jungjäger als man dem Tauber nachstellte. Auf einen kurzen schrillen Pfiff soll der Hahn neugierig heranfliegen, um höchst misstrauisch zu schauen, wer ihn da nachäfft. Eine zierliche, sehr besondere Trophäe für kleines Geld.

 

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