Der Elch

Es ist kein Zufall, dass wir die urige Wildart zuerst nennen. Nicht nur, weil ihre Trophäe einen besonderen Reiz ausmacht, sondern weil das Elchwild fast im ganzen Land autochthones Standwild ist. Der Elch verkörpert mit seinem fast pferdegroßen Körper buchstäblich die intakte osteuropäische Natur.

Wo kein Weg und kein Steg mehr kommt, wo die letzten Bewohner aussterbender Dörfer der Landflucht trotzen, da fährtet sich der Elch auf verlassenen und vernässten Feldern, im Sumpf und dort, wo er seine Hauptnahrung findet, auf großen, sich schließenden Kahlschlägen.

 

 

Die Rufjagd wird besonders von den Berufsjägern der alten Generation beherrscht. Im Morgengrauen pirscht man an den großen Freiflächen entlang. Auf Verdacht oder erfolgversprechender, nachdem man den Elch hat rufen hören, setzt der Jagdführer zu einem eher an einen Esel als an einen Hirsch erinnernden näselnden Ruf an: Iiiuh!, Iiiuh! Iiiuh!

 

Der Elchbulle, der sich nicht wie der Rothirsch ein Rudel Kahlwild nimmt, sondern unstet von einer brunftigen Elchkuh zur anderen zieht, vernimmt diesen Ruf und wirft auf. Durch Schaben und Zerbrechen von Ästen wird seine Wut weiter angeheizt. Er beginnt, sich dem dreisten Nebenbuhler zu nähern. Erstaunlich leisen und gemächlichen Schrittes, unter Aufbietung seiner stolzen Schaufeln, zieht er heran. Das ist der Moment, in dem sich der Jagdgast entscheiden muss. Er steht mit seiner Büchse in der Hand irgendwo verloren mitten in der Fläche und sieht auf 30-50 Meter Schussentfernung, vielleicht zum ersten Mal in seinem ganzen Leben, einen Elch. „Ja, das ist einer!“ geht es ihm durch den Kopf. Der Berufsjäger raunt ihm mit seinen wenigen Brocken Deutsch zu: „Schißen!, Schißen!“ Es bleibt dem zum Handeln aufgeforderten Gast eigentlich nur die Wahl: Abdrücken oder ziehen lassen, eine Entscheidung, die sicher auch vom Reisebudget abhängt.

Es kann ein Stangenelch vom 2. Kopf vor ihm stehen, den er sich vielleicht stärker gewünscht hatte oder auch ein im Revier gänzlich unbekannter Eindringling vom 7. Kopf und einem Geweihgewicht von 12 Kilogramm. Entscheidet sich der Schütze nicht rechtzeitig, wird der Elch angesichts dieser Begegnung auf Schrotschussentfernung bald flüchtig werden. Hat der Jäger  den Mut und der Schuss kracht, springt der Elch getroffen und mit einem heftigen Gepolter ab. Gemeinsam mit dem ungeduldig anstürmenden Berufsjäger geht der Erleger nach ein paar Pflichtminuten mit weichen Knien die deutlich sichtbare Wundfährte aus. Da liegt er! Welch ein riesengroßes Wild. Der Schütze muss sich erst einmal setzen und eine Zigarette des wild drauflos plaudernden Jagdführers rauchen. So ein Erlebnis will verarbeitet werden.

 

 

 

 

 

 

Im Oktober/November ergibt sich noch eine zweite Chance auf den Elch, wenn dieser die zufrierenden Sümpfe verlässt und zur Nachtzeit auf die waldnahen Rapsfelder zieht. Sollten noch Jahreslizenzen frei sein, kann das Elchwild auch auf  Drückjagden bejagt werden. Reservierungen in den späten Herbst hinein lassen die Veranstalter jedoch nicht gerne zu. Sie planen, den Abschuss bis Ende September weitgehend erfüllt zu haben. Will man den Elch wirklich stilecht erlegen, sollte man daher die Rufjagd anstreben. Eine Jagdart, die übrigens in Skandinavien, wo es bekanntlich reichlich Elche gibt, nicht durchführbar ist. Dort ist der Elch erst nach der Brunft freigegeben und wird immer auf der Drückjagd oder vor dem Hund geschossen.

Die Rufjagd in Belarus hat also ein Alleinstellungsmerkmal!

 

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